Auswandern mit Kindern – Schule und Zweitspracherwerb im Zielland Kanada

Auswandern mit Kindern – Schule und Zweitspracherwerb im Zielland Kanada

Seit unserer Auswanderung nach Kanada mit unseren beiden Kindern bekommen wir sehr viele Anfragen von anderen Eltern, die gern wissen möchten, wie unsere Kinder unseren Umzug nach Nova Scotia erleben, wie es ihnen in der Schule geht und wie sie mit der neuen Sprache klar kommen. Eigentlich erwerben sie ja sogar zwei neue Sprachen, Französisch als Zweitsprache und „nebenbei“ Englisch als Drittsprache. Als Französisch- und Englischlehrerin finde ich deshalb natürlich besonders spannend, wie unsere Kinder die neue(n) Sprachen lernen. (Ihr hoffentlich auch!) Deshalb möchten wir Euch gern auf unsere Sprachreise mitnehmen und hier bei den „Lighthouse Kids“ immer mal wieder über Schule und Sprachenlernen berichten.

Falls Ihr noch mehr Informationen haben möchtet oder Fragen habt – oder vielleicht sogar Tipps – schreibt uns bitte ein Kommentar am Ende des Beitrags oder nutzt das Kontaktformular.

Paul speaks Germany!

„Paul speaks Germany“, erklärte ein kleiner kanadischer Junge seiner Mutter, als er nach den ersten Tagen „Grandir en Français“ nach Hause kam und von seinem neuen Kumpel erzählte. Dieser Paul ist mein Sohn, vier Jahre alt, und gerade mit uns aus Deutschland nach Kanada gezogen. Ja, Paul spricht Deutsch, jedenfalls hauptsächlich. Als unsere Auswanderungspläne für Kanada immer konkreter wurden, überlegten wir sehr eingehend, auf welche Schule unsere Kinder gehen könnten bzw. welche Tageseinrichtung für sie wohl am besten geeignet sei.

Nach langer Suche entschieden wir uns für die frankophone Schule der Region, da wir bei einem Besuch der Einrichtung ein sehr gutes Gefühl hatten, die Kinder gleich begeistert waren und die Schule ein Programm für kostenlose Betreuung für beide Kinder (4 und 7) hat. Noch dazu bin ich natürlich sehr erfreut, dass unsere Kinder mit Französisch aufwachsen, so in etwa kann man „Grandir en Français“ übersetzen.

Unser Großer ist schon 7 und war ein „Kann-Kind“, d.h., dass er im Prinzip schon mit 6 eingeschult hätte werden können, aber das fanden wir aus vielen verschiedenen Gründen nicht gut. Hier in Kanada ist er definitiv zu alt für die 1. Klasse, eigentlich wäre er hier schon in der 3. Ein Blick in das Klassenzimmer der 1. Klasse reichte, dass wir das verstanden. Die Tische und Stühle wären für ihn auf jeden Fall zu klein gewesen! Zum Glück wurde er in die 2. Klasse eingeschult, die eine so genannte Teilklasse aus 2. und 3. Klasse ist.

Auswandern mit Kind – welche Schule?

Unser Großer muss nicht nur Französisch lernen, sondern auch in Rekordzeit Lesen und Schreiben. Es ist nicht so, als dass ich nicht zuhause versucht hätte, mit ihm Französisch zu sprechen, aber aufgrund unserer Familiensituation in Deutschland war es für uns beide nicht so leicht, dies auch umzusetzen. Jetzt ärgert er sich manchmal, dass er die Hilfe nicht früher angenommen hat, aber wie soll ein 7jähriger auch abschätzen, was da auf ihn zukommt? Immerhin konnten wir doch noch ein paar Materialien finden, die ihnen beiden gefallen und mit denen wir eine Art Grundwortschatz aufgebaut hat. Nun ist er nach knapp 3 Monaten an der französischen Schule sehr glücklich und liest und schreibt auf Französisch. Noch nicht richtig und es fehlt ihm noch so einiges an Vokabular, aber er hat die Sprache verinnerlicht und macht stetig Fortschritte.
Paul hat sich in Deutschland immer die Ohren zugehalten, wenn ich mit ihm Französisch gesprochen habe. „Du hörst Dich gar nicht nach Mama an“, protestierte er. Verstehen konnte ich das ja schon, es ist ja auch komisch, wenn die Mutter plötzlich in einer anderen Sprache spricht. Aber ich machte mir auch ein wenig Sorgen, wie das denn in Kanada werden soll… ja, „Paul speaks Germany“! Dieser Satz ist in vielerlei Hinsicht ein sehr interessantes Statement, finde ich!
Muttersprache
Auswandern mit Kindern – Schule und Zweitspracherwerb

Wie Kinder ihre Muttersprache erwerben

Der Prozess des Sprachenlernens ist bei der Zweitsprache etwas anders als beim Erwerb der Muttersprache. Gucken wir uns doch mal an, wie Babys sprechen lernen:

Erinnert Ihr Euch, wie Eure Kinder sprechen gelernt haben? Wie oft haben wir dem glücklich sabbernden Kind „Ma – ma“ (oder „Pa-pa“) vorgesprochen, in der Hoffnung, dass das Kind unsere Bezeichnung wiederholt? Ich fand es so überwältigend zu erleben, wie meine Kinder aufmerksam geguckt haben (Aufmerksamkeit bekommt man als Lehrerin ja auch nicht immer ;-)) und versucht haben, die Laute nachzumachen und die Lippen zu formen. Was für eine Kraftanstrengung!

Erkennen Babys ihre Muttersprache(n)?

Ja! Studien haben gezeigt, dass selbst wenige Wochen alte Säuglinge den Unterschied hören, wenn sie eine andere als ihre Muttersprache hören. Der Rhythmus und der Sprachklang (die Phonetik) sind beispielsweise im Deutschen und Französischen recht unterschiedlich. Was passiert, wenn Babys oder Kinder plötzlich mit einer anderen Sprache konfrontiert werden? Glücklicherweise sind Babys noch nicht auf eine Sprache festgelegt, wenn sie zur Welt kommen. D.h., sie können schon ihre Muttersprache(n) von anderen Sprachen unterscheiden, aber dennoch sind die meisten Kinder in der Lage, schnell eine andere Sprache zu lernen.

Wieso lernen Kinder so schnell andere Sprachen?

Je älter ich werde, desto vergesslicher werde ich – geht es Euch auch so? Meine Kinder hingegen schlagen mich haushoch beim Memory-Spielen und können Neugelerntes schneller verarbeiten. Ok, ihre Gehirnwindungen sind noch jung und arbeiten fix, aber warum haben Babys nicht gleich die Fähigkeit, ihre Muttersprache zu sprechen? Dafür gibt es wohl eine Fülle von Gründen. Es läßt sich nur darüber spekulieren, warum Kinder, und insbesondere Babys und jüngere Kinder die Fähigkeit haben, schnell andere Sprachen zu lernen. Vermutlich hängt diese Flexibilität beim Sprachenlernen davon ab, dass unsere Kinder von uns, den Erwachsenen, absolut abhängig sind und daher mit uns kommunizieren können müssen. Babys imitieren ihre Bezugspersonen und ihre Gehirne arbeiten noch so rasend schnell, dass sie bald immer mehr Wörter lernen und anfangen, Sätze zu bilden. Sie wollen überleben, und dafür brauchen sie einen Erwachsenen, zu dem sie einen Bezug auch über die Sprache aufbauen können. Natürlich gibt es auch Kinder, die nicht so schnell Sprachen lernen, aber sicherlich schneller als ältere Menschen. 😉

Wie läuft es nun beim Zweitspracherwerb? Und wie funktioniert Schule in Kanada? Darüber berichten wir gern im nächsten Teil!

Auswandern mit Kind – Schultüte muss auch in Kanada sein!

11 Replies to “Auswandern mit Kindern – Schule und Zweitspracherwerb im Zielland Kanada”

  1. Ich kann aus Erfahrung beitragen, dass es fuer unsere Zwillinge- deutsch Muttersprachler, unglaublich schnell ging. Ca. 8- 9 monate nach Ankunft= fliessend in english /wort und schrift …. Franzoesich als Schulfach gab es auch an der Canadian West Coast auf Elementary School Level und war viel einfacher fuer unsere kids als ihre classmates…

    Allerdings- wie oben im Kommentar angemerkt – ging es dann los ziemlich schnell los mit der Weigerung deutsch zu sprechen! In der Pubertaet war es ganz, ganz schlimm 😉 kids wollen so sein wie die Masse, auf keinen Fall auffallen/anders sein.
    Auf University Level war es dann wieder ‚chic‘ deutsch/international zu sein: Deutsch ‚elective‘ courses wurden von beiden gewaehlt…;-)

    .Als Erwachsene verstehen beide gut deutsch, Sprechen/Aussprache ist allerdings lustig mit deutlich nordamerikanischem ‚accent‘ und vor allem oft mit englische Satzstellung…

    1. Ja, wie spannend, dann auch noch Zwillinge zu haben und ihre Entwicklung zu beobachten. Herrlich, dass Deutsch als Teenager verschmäht wurde.
      Habt Ihr oder hat einer von Euch weiterhin Deutsch gesprochen oder habt Ihr dann alle Englisch miteinander gesprochen?
      Und am Anfang, habt Ihr sie unterstützt bei den Schulsachen oder habt Ihr sie machen lassen?
      Ganz herzlichen Dank wieder einmal dafür, dass Du Deine Erfahrungen teilst!!

      1. Hiii, ich habe immer deutsch ‚daheim‘ gesprochen, Mann und ich kommunizieren auch in deutsch wenn wir allein sind. Wenn wir in Gesellschaft sind schalten wir automatisch auf english um, aus Hoeflichkeit der Canadian Umwelt gegenueber.

        Schulisch haben eigentlich voellig rausgehalten, von anfang an war ’school‘ und homework etc. ihr eigenes Ding. Aber die Lehrer hier waren sehr engagiert, kleine Klassen etc.

        Im Rueckblick wohl richtig gemacht von uns ‚parents‘, Tochter ist Aerztin in Vancouver und Sohn Engineer, das ganze Studium/ incl. Studienplatz Application/ Graduating/ Job ging ohne unseren ‚input‘. Vor allem weil wir auf dem Gebiet eh ziemlich unwissend waren. Interessant finde ich auch den ‚comment‘ der erwachsenen Zwillinge, dass ihnen die deutsche Sprache/bzw. dass sie es moegen wenn ich deutsch spreche weil es fuer sie ein ‚homey’/heimeliges Gefuehl ist…. (Interessant da ich mich gut an Augenrollen erinnere ;-)…..)

        Mein Vater hat jahrelang den Kindern Paeckchen mit deutschen Suessigkeiten und deutschen VHS Kassetten ( = Sendung mit der Maus etc. ) geschickt. Das war aufregend, fun und trug vielleicht auch nicht unerheblich zu der letztendlich positiven Einstellung gegenueber der deutschen Sprache bei? (Damals waren deutsche Kindersendungen ja nicht im Internet verfuegbar).

        1. Hihi, das pubertierende Augenrollen kann ich mir nur zu gut vorstellen. Da kommen wir auch noch hin. Meine Mutter hat gerade ein Petterson&Findus Buch auf Deutsch (kommen hier sehr gut an!) und eine Advents-CD geschickt. Die andere Oma bringt im Auftrag des Weihnachtsmanns bestimmt auch noch deutsche Bücher mit. Mal sehen, ob der Weihnachtsmann am 24. oder am 25. kommt…

          1. Schoen!

            Ich denke in Rueckblick, der ‚input‘ der deutschen Grosseltern ( =Geschenke/Suesses/Videos 😉 ) traegt bestimmt zu einer positiven Einstellung gegenueber der deutschen Sprache bei.

            Waer ja super schade wenn unsere kids die deutsche Sprache verlieren wuerden…
            Die ist uebrigens super wichtig fuer unsere kids falls sie irgendwann mal Dual Citizenship/=Canadian Citizenship wollen. (Soweit muss man tatsaechlich voraussehen als ‚parents‘ vor allem wenn ihr plant fuer immer hier zu bleiben?)

            Verpflanzen als Teenie bzw junge Erwachsene von North America nach Europe ist schwierig, das hab ich erlebt bei Bekannten, – die kids sind noch hier, die Eltern in Europe)

          2. Wir sind gekommen, um zu bleiben, aber man weiß ja nie, wie das Leben so spielt. Ihr Deutsch sollen die Kinder auf keinen Fall verlieren. Zum Glück befindet sich hier ja eine recht große deutschsprachige Community, da wird es im Gelegenheit geben, Deutsch zu üben.

          3. Wir wollten eigentlich nur fuer ein Sabatical 1-2 Jahre bleiben, you never know :-)! Hier an der West Coast waren in unserer Umgebung nur eine Familie, keine Community. Hat aber trotzdem funktioniert. Tochter ist heute zu Besuch, ihr erster Urlaub seit Antritt als MD Resident und wir schauen: Wer weiss den sowas im ARD…..

          4. Das ist lustig! Ich wünsch Euch ganz viel Spaß dabei, genieß die schöne Zeit mit der Tochter. Dieses Kinder werden einfach so schnell groß!!

  2. Interessanter Beitrag. Ich denke, im Ausland eine Sprache als Zweitsprache zu lernen, ist gerade für Kinder recht einfach. Was ist aber mit der Drittsprache? Sprecht Ihr zu Hause einen Mix aus allen drei Sprachen? Ich bin mal gespannt, wie es bei uns wird, denn wir sprechen neben Hochdeutsch und Englisch auch noch „Low German“, welches man schon fast als eigenständige Sprache bezeichnen kann (hat wenig bis nichts mit norddeutschem Platt zu tun).

    Ich Weißkorn anderen Auswanderern, dass sie ihre Kids nach geraumer Zeit regelrecht zwingen mussten, noch Deutsch zu sprechen. Zu sehr nahm die Alltagssprache mit ihren Freunden und Klassenkadie erste Stelle ein. Wie sieht das bei Euch aus?

    1. Danke für Deinen Kommentar! Manchmal finden wir schade, dass es in diesem Teil von Nova Scotia kaum Gelegenheit gibt, Französisch zu sprechen (abgesehen von der Schule). Auf Cape Breton, gerade in der Region um Chéticamp ist das Französische sehr viel gegenwärtiger. Wir sprechen zuhause Deutsch, allerdings spricht der Kleine immer öfter auch Französisch mit mir, was ich unterstütze. Der Vater bleibt beim Deutsch. Noch müssen wir unsere Kinder nicht dazu anhalten, Deutsch zu sprechen.
      In unserer Straße wohnt eine weitere deutsche Auswandererfamilie, mit denen sprechen wir alle Deutsch, mit dem unmittelbaren Nachbarskind Französisch. Um sie herum wird Englisch gesprochen, das ist manchmal schon etwas schwierig bei Freizeitaktivitäten, aber glücklicherweise gibt es doch immer auch noch jemanden, der Französisch sprechen kann.
      Bei Euch wird es dann ja auch spannend zu sehen, wie Euer Baby sprechen wird!!

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Umzug nach Kanada

Der große Tag29. Juli 2018
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