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Auswandern nach Kanada: Autokauf und Inselleben

Auswandern nach Kanada: Autokauf und Inselleben

Auf Heckman’s Island, Auswandern nach Kanada

BBQ in Nova Scotia

No man is an island, heißt es. Aber wie gut geht es uns hier, auf Heckman’s Island in Nova Scotia, Kanada! Vor gut 10 Tagen sind wir als permanent residents in Halifax gelandet, haben zunächst eine Woche in Halifax verbracht, um den administrativen Teil unserer Auswanderung zu regeln. Das wäre vermutlich nicht nötig gewesen, weil wir fast alles auch in Lunenburg County hätten erledigen können, aber es war so auch ein relativ sanfter Übergang von der Großstadt Hamburg in die Abgeschiedenheit. Halifax und Hamburg haben einiges gemeinsam, unter anderem einen Hafen und eine schöne Hafenmeile/Pier, interessante Museen und viele Sehenswürdigkeiten. Es gibt Touristenzentren, ruhige Viertel wie bei unserem Airbnb und es gibt auch Ecken, wo man nachts vielleicht nicht gern allein unterwegs wäre.

Nach einer Woche waren wir aber dann doch soweit, der großen Stadt good-bye zu sagen und uns auf den Landsitz in Lunenburg County zurückzuziehen. Wir müssen da mal ein wenig vorgreifen, wie es zu dieser Mietgeschichte kam…. Nachdem wir unseren permanent resident Status für Kanada erhalten hatten haben wir uns sofort auf die Suche nach geeignetem Wohnraum in Lunenburg County gemacht. Wir hatten fast die ganze Provinz zuvor bereist und wussten, dass wir uns unbedingt dort ansiedeln wollten. Als dann noch die Bestätigung der Schule für unsere Jungs kam war uns klar, dass wir uns im Einzugsgebiet niederlassen. Wir kontaktierten Freunde, die wir auf den voran gegangen Reisen kennen gelernt hatten, aber auch sie konnten wenig ausrichten. Lunenburg ist einfach eine oder mehrere Reisen wert, der Raum ist begrenzt und somit war es recht schwierig, eine bezahlbare Unterkunft für uns zu finden.

Irgendwann fand mein Mann ein unglaublich charismatisches Haus auf Heckman’s Island, ca. 10 Minuten von Lunenburg entfernt über Airbnb. Es erinnerte uns an unser Lieblingsferienhaus in Dänemark, das wir einst mit Freunden gemietet hatten. Wir fragten an und bekamen prompt eine positive Antwort. Das waren wir nun gar nicht gewöhnt! Manchmal vergingen Wochen bis wir von potenziellen Vermietern gehört hatten, obwohl wir den gesamten Mietzeitraum sofort bezahlt hätten. Es stellte sich heraus, dass unsere Kontaktperson auch bloggt und dazu noch Lehrerin in Deutschland ist, die sich um das Ferienhaus ihrer Eltern kümmert! Die Welt ist ein Dorf. Wir wurden uns schnell einig.

Nun sind wir da, in diesem skandinavisch anmutenden Haus auf der Insel. Und wir lieben es. Diese Ruhe ist einzigartig, wir haben Zugang und Blick auf den Ozean. Wenn ich Künstlerin wäre, würde ich vermutlich nur noch malen, da sich der Himmel hier stündlich ändert. Das Haus ist liebevoll und familiär eingerichtet, wir fühlen uns sauwohl. Von den Nachbarn wurden wir sehr freundlich empfangen und wir freuen uns, dass gleich zwei der Frauen aus der französischsprachigen Provinz Québec stammen.

Morgens schaut hier im Garten gern ein Reh vorbei, vielleicht hätte es auch gern einen leckeren Kaffee? Postkartenidylle nannte es eine Freundin, als sie Fotos sah. Und es ist ein Idyll, die Jungs waten mit uns im flachen Ozean, finden Schiefersteine, auf denen sie ihre Gemälde und Initialien hinterlassen, flüchtig wie ein Hauch von Herbst, der langsam immer näher kommt. Doch auch im Idyll gibt es Gefahren: Wie wir schon vor unserem Entschluss hierher zu ziehen von Einwohnern erfuhren gibt es seit ca. 2 Jahren Zecken in Lunenburg County, einige übertragen die schreckliche Lyme Borreliose. Unsere sehr geschätzte Kinderärztin in Hamburg, die ihre Ausbildung z. T. in Kanada absolvierte hatte uns über die Risiken aufgeklärt und uns empfohlen, uns und die Kinder abends gründlich nach Zecken abzusuchen und im Verdachtsfall einen Arzt aufzusuchen. Antibiotikum ist bei der Heilung das Mittel zur Wahl. Da wir eine Ansteckung mit Lyme sehr gern vermeiden möchten haben wir Anti-Zecken-Spray besorgt und nehmen die abendliche Untersuchung ernst. Gerade auch auf Heckman’s Island gibt es Fälle von Lyme-Erkrankungen, werden wir von den Nachbarn gewarnt. Ich erinnere mich an FSME Fälle in Rheinland-Pfalz, wo ich vor über einem Jahrzehnt mein Referendariat absolvierte. Damals ließ ich mich dagegen impfen, leider nur 1x, dann ging der Impfstoff aus und ich zog zurück ins „zeckensichere“ Hamburg. Zu meinem Entsetzen gab es aber schon letztes Jahr auch Fälle von Borreliose und FSME im hohen Norden, vermutlich eingeschleppt von Vögeln und anderen Tieren, vielleicht auch bedingt durch den Klimawandel. Wenn ich mir Internetseiten über Zecken durchlese muss ich manchmal an den Film „Men in Black“ denken, in dem eine außerirdische Riesenkakalake versucht, die Welt- bzw. Universumsherrschaft an sich zu reißen. One day the world will be ruled by ticks! Was für eine grausige Vorstellung.

Umso mehr freuen wir uns, dass das Deck einmal ganz ums Ferienhaus herum geht und der Zugang zum Meer gemäht ist. Wir sitzen gern in den typisch kanadischen Deck-Chairs, die wir von deutschen Auswanderern bei Zwicker Woodworking in orange, türkis, rot und limettengrün kauften und genießen die frische Brise.

Die letzten Tage waren recht anstrengend, da wir auf der Suche nach einem Auto waren, und das bei 30 Grad. Da wir nur eine 10GB Vertragsleistung haben und kein WLAN im Haus sind wir ganz oldschoolmäßg von Händler zu Händler gefahren. Die konnten auch kaum fassen, was wir da taten. Zum Glück gab es überall Wasserflaschen „für umsonst“ und manchmal sogar freies WLAN. 😉 Nett waren sie alle, am liebsten hätten wir gleich zwei Autos gekauft. Am Ende entschied die Vernunft für einen Dodge Grand Caravan, ein 7-Sitzer. Für uns lief der Autokauf Jahre 2018 in Nova Scotia folgendermaßen:

  1. EU-Führerschein gegen Fahrerlaubnis von Nova Scotia eingetauscht
  2. Auto gesucht
  3. Auto gefunden
  4. Versicherung durch Empfehlung gefunden; Schreiben auf Englisch von unserer deutschen Autoversicherung und einer Bescheinigung aus Flensburg sowie die Fahrerlaubnis von Nova Scotia waren neben den Fahrzeugdaten und Wohnsitz für die Versicherung interessant
  5. Deposit im Autohaus gezahlt
  6. Zum kanadischen Bankinstitut gegangen, um einen Überweisungscheck zu holen (bank draft)
  7. Mittels Debit Card den bank draft geholt (sieht aus wie der klassische Check, den unsere Eltern damals benutzen) Superoldschool! (Für die Jüngeren unter uns: das ist ein Stück Papier!!)
  8. Check im Autohaus abgeben
  9. Auto mit temporären Nummernschildern (gültig für 30 Tage) mitnehmen
  • Auto bei Access Nova Scotia anmelden und eine Nova Scotia licence plate erhalten (hoffentlich)
  • Fertig (hoffentlich)
Our first car bought in Canada: The Dodge Grand Caravan

Es gibt bestimmt noch andere Wege, dies war unser! Wir würden gern öfter schreiben, aber die Internetverbindung ist schon recht schwach… Survival pur! 🙂

Am Lagerfeuer: „In Hamburg sagt man TSCHÜSS“

Am Lagerfeuer: „In Hamburg sagt man TSCHÜSS“

Was machen wir so die letzten Stunden vorm Abflug nach Kanada? Der Container ist auf dem Weg, die Wohnung ist geräumt, geputzt und übergeben, Omas Wohnung wurde erfolgreich annektiert, die letzten Teile wurden flugs in einen weiteren Koffer (ok, 2…) verpackt (kostet ca 71€ extra bei Online-Buchung). Was tun wir am Tag vor unserer Auswanderung nach Kanada?

Neben ganz banalen Dingen wie Autoputzen und Wäsche waschen gönnen wir den Kindern und uns wunderschöne letzte Treffen mit lieben Freunden auf schattigen Spielplätzen. Das tut soooo gut nach den Anstrengungen der letzten Tage und fühlt sich so vertraut an, dass wir schon fast vergessen, dass wir ja bald „Tschüss“ sagen müssen. Unsere Kinder meistern das (noch?!) recht gut, wir Erwachsenen heulen… Es bricht mir das Herz, meine Kinder mit ihren Freunden so einträchtig spielen zu sehen und zu wissen, dass sie auf ein nächstes Treffen lange warten werden müssen.

Es gibt ja so viele Abschiedslieder, wir Menschen brauchen offenbar musikalische Unterstützung, um diesen emotionalen Kraftakt zu meistern. „Abschied ist immer ein bißchen wie sterben“ sang mir schon meine Mutter vor, als meine Kindergartenfreundin für ein paar Wochen in den Urlaub fuhr und ich traurig war. Ob mich das getröstet hat weiß ich nicht mehr. Als unser Großer aber im Auto aus vollem Halse „In Hamburch sacht man tsch-ü-hüss!“ anstimmt muss ich lachen und wir stimmen alle ein. Laut und schief singen wir gegen den Abschiedsschmerz an und fühlen uns hinterher ein wenig besser.

Zuhause sehen wir, dass unsere erste Airbnb Vermieterin in Halifax uns eine E-Mail geschrieben hat: Sie fragt u.a., ob wir gern Lasagne am Montag essen möchten, dann müssten wir am 1. Tag nicht gleich einkaufen gehen! Wie süß ist das bitte?!? Oh Canada. Auch ein sehr schönes Lied.

Liebe Freunde und Familie: Danke für alles! Wir drücken Euch!Tschüss und auf bald

Das Tor zur Welt

Umzug nach Kanada

Der große Tag29. Juli 2018
Goodbye Hamburg!
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